Eine Woche in meinem Leben

Meine Woche startet montags mit dem Dienst in der Suppenküche. An die Suppenküche musste ich mich erst gewöhnen. Ich habe in Deutschland schon in einer Essensausgabe gearbeitet und hatte dann erwartet, dass es hier genauso wird – da wurde ich eines besseren belehrt.

Die supă sărăcilor (Suppe für die Armen) bietet armen und obdachlosen Menschen die Möglichkeit ein kostenloses, warmes Mittagessen – bestehend aus Suppe und Brot – zu erhalten.

Mittags werden die häufig schon vor der Tür des Klosters wartenden Gäste von einem anderen Helfer eingelassen. Es folgt die Begrüßung der Gäste, die manchmal nicht nur aus einem Händedruck, sondern auch einem Handkuss besteht. Nachdem abgesprochen worden ist, welche zwei Gäste nach dem Essen kurz sauber machen, folgt ein gemeinsames Vaterunser. Allgemein scheint das Tischgebet in Rumänien ein wichtiger Bestandteil des Essens zu sein.

Beim Essen kann es manchmal ein bisschen lauter werden und es wird auch mal eine mitgebrachte Zwiebel mit der Faust zerteilt:D Das liegt aber auch an dem Alter der Menschen, die zum Essen kommen. Es sind viele junge Erwachsene unter ihnen. Manche von ihnen kamen von Kindesalter an. So zeigte mir letztens ein junger Mann sich und seinen Bruder als Kinder auf einem Foto an der Wand der Suppenküche.

Da nach dem Essen nur die Tische abgewischt und der Boden gefegt wird, sind manche Ecken schon etwas länger nicht geputzt worden. Also haben wir JVs eine kleine Putzaktion gestartet. Dan, ein Art Hausmeister im Kloster, hat die Gelegenheit genutzt und eine Lampe ausgetauscht, die sich auch hervorragend als Fotomodell geeignet hat:

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Foto by Ida

Nachdem der Abwasch von der Suppenküche erledigt ist, geht es weiter zu meinem Besuchsdienst. Berta, die Dame die ich besuche, ist eine 89-jährige Banater Schwäbin. Unsere Gespräche dienen nicht nur der Aufbesserung meines Sprichwortschatzes („Geduld bringt Rosen und mit der Zeit verschissene Hosen“), sondern ich kann auch viel über Bertas bewegtes Leben erfahren.

Einmal sind wir zwei Spazieren gegangen – was etwas Willensstärke meinerseits erfordert hat, da Berta oft an Knieschmerzen leidet („Schön ist die Jugendzeit, sie kommt nicht mehr“). Aber „Befehl ist Befehl“ und so habe ich sie doch noch nach draußen bekommen. Und wie hat sich das für sie gelohnt! Innerhalb einer halben Stunde fanden wir uns von fünf Freundinnen Bertas umringt, wobei eine ihre ehemalige Briefträgerin war.

Das gefällt mir hier: Dadurch, dass hier nicht so viel technisiert und unter höchstem Leistungssdruck abgewickelt wird, kommt man eben mit der Postbotin ins Gespräch, lädt sie auf einen Tee ein und kann so auch Freundschaften schließen.

Spazieren können Berta und ich inzwischen nicht mehr, da die Temparatur um die 0 Grad liegt und sogar schon Schnee gefallen ist, aber „der nächste Sommer kommt bestimmt“!;)

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erster Schnee auf dem Spielplatz neben unserem Haus

Von Berta aus geht es dann weiter zum Chor im Kloster. Dort singen neben einige junge Leute auch einen Mutter mit ihrer autistischen Tochter mit, was ich ziemlich cool finde. Momentan studieren wir für Weihnachtskonzerte rumänische Weihnachtslieder ein.

Dienstagnachmittag steht der zweite Chor auf dem Programm. Dieser ist im deutschen Altersheim in Temeschwar, weshalb ich, glaube ich, die einzige bin, die unter 60 Jahre alt ist. ^^ Auch hier singen wir momentan Weihnachtslieder, allerdings deutsche. Obwohl der Chor klanglich definitiv nicht mit dem Chor im Kloster mithalten kann, gehe ich sehr gerne dort hin. Mir gefällt nicht nur die entspannte und nette Atmosphäre, sondern es macht mir auch viel Spaß alte deutsche Volkslieder kennenzulernen und zu singen.

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Der Chor aus dem deutschen Forum – leider hat die Chefin ein Mikrofon im Gesicht

Nach dem Chor besuchen Elena und ich die Tanzgruppe in dem Haus. Dort tanzen wir deutsche Volkstänze. Momentan steht zwar nur ein Walzer auf dem Programm, aber bei unserer letzten Aufführung durfte ich einige andere Tanzgruppen bestaunen und ich freue mich jetzt schon riesig, die einfachen, aber schönen Tänze zu lernen:)

Die restlichen Tage der Arbeitswoche verbringe ich in Carani. Und auch hier ist die Weihnachtsstimmung angekommen. Wenn meine Kollegin und ich morgens mit dem Kleinbus von Timişoara aus starten und die Kinder aus den umliegenden Dörfern abholen, läuft inzwischen immer eine Weihnachtsplaylist. Und natürlich singen und tanzen wir dann alle mit.

Samstags ist unser Putztag in der WG. Der ist besonders sinnvoll für mich, weil ich im Laufe der Woche (oder eines Tages) es immer schaffe mein Zimmer von neuem zu verwüsten. Das ist auch bei den beiden andern aus der WG angekommen. Ida meinte letztens: „Was ist der Satz den Johanna am häufigsten sagt? Ich muss mein Zimmer aufräumen!“

Sonntags schließt die Woche mit dem gemeinsamen Kirchengang und anschließendem Essen im Kloster. Nachmittags spiele ich manchmal mit drei älteren Damen, die ich auf einem Ausflug kennengelernt habe, Phase 10. Somit findet meine Woche einen sehr schönen Abschluss.

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