In Gottes Händen

Während meines FSJs ist mir eine Sache besonders wichtig geworden: mein Glaube. Dazu hat sicherlich auch Rumänien seinen Teil beigetragen, denn mir scheint, dass hier für viele Menschen ihre religiöse Überzeugung eine sehr wichtige Rolle spielt.

Das merkt man schon im ganz normalen Alltag, z. B. in meiner Einsatzstelle am gemeinsamen Tischgebet vor und nach dem Mittagessen , am Beten vor einer längeren Autofahrt, an Ausdrücke wie „Gott hilft“ (Doamne ajută), die durchaus ernst gemeint werden, oder am Bekreuzigen beim Passieren einer Kirche.

An sich ist das Gottvertrauen in meinem Umfeld sehr stark. Schon oft habe ich Sätze gehört wie: „Gott gibt uns, was wir benötigen. Er weiß, was wir brauchen.“ und das von Menschen, die in ihrem Leben sehr schwere Schicksalsschläge erlitten haben. Diese Selbstverständlichkeit von Gottes Anwesenheit & Wirken beeindruckt mich.

Gott ist da

„Meine Hilfe ist beim Herrn!“ – Täfelchen in Carani

Als ein Mädchen aus der Tagesstätte am Gehirn operiert wurde, haben wir eine Woche lang jeden Morgen im Stuhlkreis gemeinsam einen (stark verkürzten) Rosenkranz für sie gebetet.
Gelegentlich wird mit den Kindern auch über Gott und den Glauben gesprochen. So haben wir z. B. einmal darüber geredet, was Engel sind, wie sie in unserem Leben wirken und was für Erfahrungen wir Einzelnen gemacht haben.

Ein Aspekt, der mich nach einem Gespräch besonders zum Nachdenken gebracht hat, war die Aussage, dass „Gott, das Wichtigstes im Leben ist“ – also wichtiger als Familie, Partner, Freunde, Beruf etc.. Das ist eine Ansicht, die ich in Deutschland irgendwie noch nie mitbekommen habe und die ich, ehrlich gesagt, auch nicht einfach so unterschreiben würde.

Neben dem „rumänischen Einfluss“ haben mir auch die vermehrte Freizeit während des FSJs und besonders die Tatsache, dass ich als Jesuit Volunteer eine Anbindung an ein Kloster habe, geholfen, mich mehr mit meinem Glauben zu beschäftigen.

Im Kloster haben ich von den ignatianischen Exerzitien erfahren, die ich Anfang Mai für eine Woche gemacht habe. Dass es für einen Anfänger empfehlenswert ist, die ersten Exerzitien nur für die Dauer eines Wochenendes zu machen, konnte ich dabei deutlich spüren.

Es ist mir zwar nicht schwergefallen eine Woche zu schweigen, aber das Meditieren hatte es in sich. Dreimal am Tag für eine Stunde zu meditieren, also in einer zuvor gelesenen Bibelstelle zu bleiben, sich allein darauf zu konzentrieren und passiv zu bleiben, damit die sich vorgestellte Bibelszene bzw. Gottes Wort für sich sprechen kann, viel mir sehr schwer.

Aber auch wenn ich mich im Meditieren noch „exerzieren“ darf, haben mir die Exerzitien einiges gebracht. Da wir jeden Tag Bibelstellen zur Auswahl bekommen haben, über die wir meditieren konnten, habe ich die Bibel besser und intensiver kennengelernt. Manche Stellen haben mich nämlich berührt, andere haben mich zum Weiterlesen gebracht und wieder andere haben Fragen über meinen Glauben aufgeworfen, die ich mir vorher nicht gestellt hatte.

Jesuskärtchen

Geschenk von einer an den Exerzitien teilnehmenden Schwester

Ich habe für mich eine Relevanz der Bibel in meinem Leben entdeckt und noch einmal bekräftigt bekommen, das mein Glaube nicht nur ein schickes Beiwerk in meinem Leben ist, sondern mir vielmehr ein Lebensziel gibt; nämlich (nach dem Vorbilde Jesu) in (bedingungloser) Liebe für andere zu leben. Dass das natürlich ein Ideal ist, nachdem ich auch häufig nicht handele, tut dem trotzdem keinen Abbruch, dass ich während diesem Jahr die befreiende Erfahrung machen durfte, aus der Kraft heraus, die Jesu mir schenkt, verzeihen zu können und schlechte Gedanken oder Gefühle gegenüber anderen überwinden zu können.

Umso mehr habe ich mich gefreut als ich am Ende der Exerzitien von einer Schwester ein Bild von Jesus mit flammendem Herzen – meine Lieblingsdarstellung von ihm – geschenkt bekommen habe (siehe links).

Von einem sehr schönen Glaubenserlebnis muss ich euch noch erzählen: Ich durfte in diesem Jahr nämlich Firmpatin eines rumänischen Mädchens werden. Nicht nur in diesem Fall konnte ich hier, in Rumänien, erleben, dass meine Religion mich mit anderen verbindet.

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